Samstag, 15. April 2017

La revedere Rumänien...Mulțumesc!!

Die Zeit des Abschiedes ist gekommen

Zwei bereichernde, interessante, eindrucksvolle und bewegende Wochen voller Lachen - aber auch nachdenklicher Momente, liegen hinter uns. Wir haben 2400 km im Flugzeug und 2050 km im Bus zurückgelegt, um auch Bewohner der entlegenen Dörfer zu besuchen. 1500 kleinen und großen Menschen durften wir begegnen -  um ihnen ein Strahlen in die Augen, ein Lachen auf die Lippen und eine Erinnerung ins Gedächtnis zu zaubern.

Eine solche Erinnerung hat uns in Form eines Berichtes erreicht. Diese besonders schöne Rückmeldung wollen wir Euch auf keinen Fall vorenthalten: Hannelore Jasch ist in der Charlotte Dietrich Schule als Freiwillige beschäftigt und kümmert sich mit Hingabe um die Kinder vor Ort. Gut vorbereitet erschien sie schon mit roter Nase im Publikum und freute sich, wenn sie die Clowns im Stück unterstützen konnte:
Hannelore Rasch unterstützt die Clowns in der Show

Wir freuen uns sehr, dass sie ihren Block Eintrag mit uns teilt:

Nach einer ersten Nachbesprechung ging es mit dem Bus Richtung Sibiu Airport und dann ab nach Hause. Ich bin dankbar für die Tage die hinter uns liegen, für all die Unterstützung und die Gastfreundschaft die wir vor Ort erfahren durften!
Herzlicher Dank gilt auch unserem Guide Adrian, der uns (weit über die vereinbarten Dinge hinaus) mit Rat und Tat zur Seite stand. 
Abschied von Adrian am Flughafen von Sibiu
Uta, Mia, Adrian, Peter, Michi

Dankbar bin ich auch unserem Team. Es war schön mit Euch unterwegs zu sein!
Hier möchte ich mich besonders herzlich bei Jonas Feichtl für die tollen Fotos bedanken. Er hat die Erlebnisse mit der Kamera eingefangen und war in jeder Hinsicht eine große Hilfe. Durch seine tollen Bilder konnten wir Euch hier teilhaben lassen. 

Im Namen des Teams –  Uta (Violetta), Peter (Verde), Michi (Albastru) und Jonas sage ich la revedere – Auf Wiedersehen und Mulțumesc - Danke!
Rumänien...la revedere!
Herzlichst Mia (Roșu)

Donnerstag, 13. April 2017

„Wow, wow, wow und a cherry on their cake“


„Hallo mein Name ist Daniel. Ich wohne in Câmpu lui Neag. Das liegt ca. 30km westlich von Sibiu. Dort gehe ich in die 1. Klasse. Stellt Euch vor was heute passiert ist:
Im Garten unserer Schule hüpften vier lustig gekleidete Menschen mit roten Nasen auf und ab. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Sie sprachen wenig - und wenn dann verstand ich nicht sehr viel davon. Ihre Kleidung passte aber ganz gut zu ihren Namen.
Lustig waren sie ja schon. Besonders als der grüne Mann - Verde - die anderen in Tiere verzauberte und sich Albastru als Katze zu mir schmiegte, lachten meine Freunde neben mir und ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.



Kaum waren die vier mit lustiger Musik wieder in unserer Schule verschwunden, da kamen sie noch einmal in den Garten und malten meinen Freunden rote Nasen ins Gesicht. Ich fragte mich, ob ich mich das auch traue?
Ja, ich habe mich getraut. Nicht nur die Nase sondern auch die Wangen wurden rot angemalt. Bei der Abfahrt meines Schulbusses winkte mir dann Violetta - die fand ich am komischsten - noch ganz toll. Da wusste ich dann gar nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.
Ob diese lustigen Menschen wohl wieder mal zu Besuch zu uns kommen?“



So oder so ähnlich muss sich unser Besuch heute in der Stadt Câmpu lui Neag für die Kinder angefühlt haben. Ramona, die uns heute noch mal begleitete, hatte bewusst diesen Ort ausgewählt: „In dem entlegenem Bergdorf gibt es sonst keine kulturellen Angebote jedweder Art.“ Um überhaupt gemeinsam die Schule zu füllen werden die 16 Kinder der Klassen 1.-4. Klasse aus den umliegenden Gehöften tagtäglich mit Schulbussen gebracht. „Von den 16 Kindern wussten vor ihrem Besuch nur zwei Kinder was ein Clown überhaupt ist“, so eine Erzieherin. „You are so wow, wow, wow“.


Ob das der 16-Jährige Jugendliche in der zweiten Reihe unserer anschließenden Show wohl auch so wahrgenommen hat?


Er saß uns im „Waisenhaus“ Lupeni gegenüber. Hierher gelangen viele verlassene Kinder. „Die Eltern gehen ins Ausland und überlassen den Großeltern die Erziehung der Kinder“, erklärt uns Ramona. „Da diese damit oft überfordert sind, landen die Teenager mit ihren Problemen oft auf der Straße. In der Region um Petrosani betrifft dies beinahe jedes zweite Kind.“


Die  Jugendlichen sitzen uns etwas reserviert gegenüber. Wir ernten zu Beginn ein paar skeptische Blicke. Dann aber auch lautstarke Anfeuerung und unkontrolliertes Lachen. Bewegte Geschichten bei den Jugendlichen und eine bewegende letzte Aufführung für uns.
Auf dem Rückweg nach Petrosani bietet sich noch die Gelegenheit ausführlicher mit Ramona über die letzten zwei Tage und über das Leben in Petrosani zu sprechen.

„For the Children you are like a cherry on their cake“! Schöner kann man wohl nicht Danke sagen.

Peter


Mittwoch, 12. April 2017

Two shows left and the Wehmut is klopfing an der Türe …


06:00 Uhr stand auf dem Wecker, als er morgens zum Aufbruch läutete. Heute war es Zeit für einen Ortswechsel und wir mussten schweren Herzens unser liebgewonnenes Appartement - unsere einfache Basisstation mit Heimkommgefühl in Sibiu/Hermannstadt - räumen. Adrian unser rumänischer Vermieter ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich und ganz herzlich zu verabschieden. Die letzten neun Tage vergingen wie im Flug und wir haben uns hier sehr wohl gefühlt. Es war ein guter Ort, um sich nach langen Fahrten zu erholen, die Eindrücke des Tages auszutauschen, gemeinsam zu essen, zu proben, zu planen, zu schreiben, zu bloggen und zu lachen.



Die frühmorgendliche Reise führte uns nach Petrosani, 2,5 Std. westlich von Hermannstadt in den Karpaten Transsylvaniens. Der Ort ist bekannt als „Stadt der Kohle“, denn hier herrschte vor allem zu Zeiten des Kommunismus reger Kohlebergbau. Die Industrialisierung der ländlichen Regionen Rumäniens durch das Ceaușescu-Regime benötigte viel Energie - vornehmlich durch Kohlekraftwerke. Diese Entwicklung gab vielen Rumänen aber auch Ungarn, Bulgaren, Italienern oder Deutschen die Möglichkeit, einer schweren aber gut bezahlten Arbeit nachzugehen. Um die Attraktivität dieser Arbeit zu steigern, wurden einfache Wohnblöcke mit kleinen Zimmern gebaut, in die sich die Beschäftigten für wenig Geld einmieten konnten. So entstanden in Mitten der Berge kleine Städte aus Arbeitern und deren Familien - unter anderem auch Petrosani. Doch nach Ende des Kommunismus wurde eine Kohlemine nach der anderen geschlossen, die Angestellten verloren ihre Arbeit und Eltern hatten es schwer, sich und ihre Familien zu versorgen. Die Stadt hatte zu Hochzeiten über 100.000 Einwohner - jetzt nur noch 37.000. Viele der Wohnblöcke stehen leer und verfallen. Und Arbeitsplätze gibt es kaum.



Davon erzählte uns auch Alex Kelemen, während wir unsere Blicke immer wieder über die heruntergekommenen Wohnblöcke vor seinem Bürofenster schweifen ließen. Alex ist ein Sozialarbeiter und Projektleiter der Caritas, die seit etwa zehn Jahren hier in Petrosani tätig ist. Er und seine Kolleginnen und Kollegen betreuen hier zahlreiche Projekte. Von der Nachmittagsbetreuung von Schulkindern über Altenhilfe bis hin zur Inobhutnahme von Straßenkindern, die entweder verwaist oder aufgrund von Misshandlungen innerhalb der Familie auf der Straße leben. Seine Kollegin Ramona Bulzan hat uns hier in Petrosani vier Auftritte vermittelt. Die ersten beiden am heutigen Tag. Den Anfang machte eine der - laut Alex Kelemen - am besten ausgestatteten Schulen, was zuerst Verwunderung bei uns auslöste. Schließlich spielen wir gerne für Kinder, denen die Teilnahme am kulturellen Leben durch ihre Lebensumstände verwehrt bleibt. Doch die Schule bietet unter anderem auch spezielle Klassen für derzeit 29 Kinder mit Behinderungen oder schweren Krankheiten an. Mit diesen Schülern trafen wir uns heute in einer kleinen Turnhalle zur Show von den Clowns ohne Grenzen. Wir hätten auch gerne für die ganze Schule gespielt, am besten draußen auf dem Sportplatz in der Sonne. Aber die anderen Schüler hatten Unterricht - unter anderem auch auf dem Sportplatz. Diesen Wunsch früher zu äußern, haben wir uns für das nächste Mal fest vorgemerkt.



Nachdem wir den Raum vorbereitet hatten, durften wir uns in der Putzkammer gegenüber verstecken, bis die Kinder alle da waren. Was die Reinigungskraft wohl heute Abend zu Hause erzählt, die nichtsahnend und voller Arbeitseifer die Türe öffnete und plötzlich vier Clowns in ihrer Kammer vorfand? Die Kinder feierten unser Auftauchen jedenfalls mit großem Applaus, viel Lachen und großer Dankbarkeit. Anfangs fühlte sich die Lehrerin noch in der Verantwortung, die Kinder zum Mitklatschen zu animieren, bemerkte aber schnell, dass das nicht nötig war und gab sich selbst dem herzhaften Lachen hin. Auch eine rote Nase und die beliebte Clownspostkarte ließ sie sich nach der Show nicht entgehen. „Eine richtig hochwertige bunte Show. Die Kinder hatten total viel Spaß.“ lies uns die Lehrerin noch über Ramona Bulzan ausrichten.


Anschließend wurden wir an unserem nächsten Auftrittsort, der Tagesbetreuung „Maria Stein Daycare“ für Kinder von 2-12 Jahren zum Mittagsessen eingeladen. Gut gestärkt bereiteten wir uns und einen (sehr) kleinen Raum für die große Show vor. Dann hieß es erst mal warten. Bis all die kleinen Zuschauer eingesammelt waren, verging etwas Zeit. Eventuell wusste auch noch keiner, dass es überhaupt losgehen kann, weil alle Angestellten noch mit den Kindern beschäftigt waren. Die kleinen Verwirrungen zu Beginn lachten die Kinder schon beim Einzug der Clowns lauthals weg. Es herrschte in dem kleinen Tagesheim eine riesen Stimmung, wie man sie sich für eine Clownsshow wünscht. Lachen, Kringeln, Wegschmeißen, Kugeln und Tränen verdrücken begleiteten Rosu, Violetta, Verde und Albastru durch eine Welt voller Veräppeln, Verzaubern und Verlieben.




Zufrieden und glücklich bezogen wir unser neues Heim für zwei Tage in einer kleinen Pension in der Nähe von Petrosani. Jetzt stehen nur noch zwei Shows auf dem mittlerweile arg zugerichteten Zettel mit dem Tourplan und die Wehmut klopft schon an die Türe. Auch unser Sprachzentrum hat mittlerweile mit dem Mischmasch aus englischer, deutscher, italienischer und rumänischer Konversation zu kämpfen. Weil’s urs-wurscht is and eh everybody  our parlare versteht. Noroc!


Ich freu mich auf den morgigen Tag und einen fulminanten Reiseabschluss in den Bergen Transsylvaniens!

Michi