Mittwoch, 24. August 2016

Blutige Clownsnase und jede Menge Publicity



Bild zum Sonntag









Montag, 22. August 2016
Um zehn nach acht am Morgen wurden wir abgeholt, um zwei Shows in „Colegios“ zu spielen. Wir kamen zur ersten Schule genau richtig zum Morgenappell. Die SchülerInnen standen in Reih und Glied auf der „Cancha“, um Simón Bolivar zu huldigen. Eine ganze Menge SchülerInnen standen aber im Eingang der Schule und nahmen nicht am Appell teil. Sie waren wohl alle zu spät gekommen.  Unsere Show spielten wir dann in einem Coloseo, ein riesiger überdachter Platz mit Tribünen. Der Morgen war kalt und wir warteten eine ganze Weile neben dem Klo...



In den Vorüberlegungen zu diesem Auftritt vor 600 Schülerinnen hatten wir uns überlegt, die kleinen Becher durch Eimer zu ersetzen. Auf dem Markt am Sonntag fanden wir dann bunte Milchschöpfer. Als ich auf Max Schultern saß, schwenkte Milly sie hin und her und dabei brach der Griff der einen Kanne ab und sie flog genau auf meine Nase. Halb benommen stieg ich von Max Schultern und Milly machte mich dann auf den Blutstrom aus der Nase aufmerksam. 
Besonders nachhaltig ist das bolivianische Plastik nicht. 





Danach folgte noch eine Show, ebenfalls in einem „Colegio“.  Doch bevor der Auftritt startete, kamen Journalisten der Zeitung „Opinión“ für ein Interview auf uns zu.
Obwohl die Stimmung in der Show nicht ganz so sympathisch wie sonst war, mussten wir uns nach der Show durch die Kinder hindurch drängeln, die alle Autogramme von uns wollten.

 


Nach einer kurzen Ausruhpause zu Hause ging es weiter zu den Workshops. Am Sonntag hatten Milly und ich auf Grund der Beobachtungen vom Freitag Gruppen zusammengestellt. Mit diesen haben wir dann kleine Szenen oder Choreographien angefangen einzuarbeiten. Zumindest war das der Plan. Das hatte aber nicht bei allen gleich gut geklappt, manche Kinder waren mit der Einteilung nicht zufrieden. Eine Gruppe, mit denen wir gerne eine Clownsszene erarbeitet hätten, ließ sich nicht wirklich dazu motivieren. Viel begehrter waren Teller, Tücher und Rola Bola. Nach einem Abendessen bei den Familien, bei denen ich mich jetzt schon ganz vertraut fühle, kamen wir erschöpft nach Hause. Carolin hatte den Nachmittag filmend begleitet, aber bei den Workshops hält sie sich sehr zurück und ist wie unsichtbar.

Dienstag, 23. August
Der Workshop am Dienstag Vormittag mit den Mamas wurde ebenfalls gefilmt. Es kamen weniger, als beim ersten Mal und auch einige später, als vereinbart. Sie können sich nicht immer frei nehmen. Aber schließlich füllte sich der Raum und schon beim ersten Spiel gab es viel Gelächter. Wir haben die Mamas verschiedene Emotionen darstellen lassen und sie mit diesen in kleine Szenen geschickt. Die Ergebnisse waren sehr abwechslungsreich. Carolin hat in ihren Interviews mit den Mamas die Begeisterung filmen dürfen. Dabei meinten sie, dass ihnen diese Arbeit auch im Alltag helfen würde, Situationen mit den Kindern zu meistern.
Nach einem Mittagessen mit Carolin und Tatjana, der bolivianischen Assistentin und Übersetzerin von Carolin, hat Max sein Interview für Carolin gegeben, während Milly und ich in der Sonne dösen durften. Bei den Workshops am Nachmittag war schon ein Energieverlust auch bei den Kindern zu spüren. Außerdem geht es laut und unruhig zu, weil wir mit den Gruppen gleichzeitig in einem Raum arbeiten oder draußen, wo jede Menge anderer Kinder neugierig zuschauen oder neben her anderes spielen.
Aber trotzdem, die Szenen stehen mehr oder weniger. Auch die vier Mamas, die das ganze Projekt begleitet haben, überlegen sich eine Clownsszene. Außerdem wollen wir sie zur Ansage der Nummern einsetzen.
Leider waren Max und ich am Abend nicht nur erschöpft, sondern auch kränklich, was sich bei Max mit erneutem Fieber und bei mir mit starken Halsschmerzen zeigte.

Mittwoch, 24.August
Heute Morgen war zum Glück ausreichend Zeit für eine Energie-und Gesundheitsdiagnose. Entscheidung war: Show spielen, aber Workshops absagen. Als wir abgeholt wurden, mussten wir auf ein Zeichen hin die Gartentüre öffnen und in den Pickup steigen, wo Carolin mit der Kamera wartete. Dann fuhren wir über einige holprige Wege nach Encanta Pampa, was eigentlich nicht weit weg von unserem Haus ist. Auf dem Weg dorthin wurden wir im Pickup gefilmt. Der Smog stand schlimmer als sonst über Cochabamba. Die Straßen den Berg hinauf sind steinig, Müll liegt herum, die Häuser armselig und provisorisch gebaut. In Encanta Pampa wurden wir vom SOS-Team sehr herzlich empfangen. Dort gibt es eine Krankenstation sowie ein Familienhilfszentrum, das sich um die Kinder vor und nach der Schule kümmert. Vor dem Zentrum war heute ein Aufklärungsstand über Aids.
Die Schule war deutlich ärmer als die anderen Schulen, die wir gesehen hatten. Wir spielten auf der Cancha, die Kinder saßen auf dem Boden. Die Kinder sind immer näher gerückt und weil sie um ihre Plätze kämpften, mussten wir zwischendrin für Ruhe sorgen. Aber wieder  - und dieses Mal leider zum letzten Mal – war es schön, diese lachenden Gesichter zu sehen, wie sie mitgehen, mitfiebern und begeistert sind.
Nach der Show konnten wir endlich ausruhen, Schlaf nachholen, unendlich viele Zitronen ausdrücken und leckeres Risotto essen, das Max für uns gekocht hat.
Katrin

Montag, 22. August 2016

Kleine Autogrammjäger und Ceviche - was will man mehr



19. und 20. August

Wir werden wieder sehr früh abgeholt, aber diesmal von einem neuen Fahrer „Juan Carlos“( dem Mann für Alles aus dem SOS Kinderdorf Cochabamba) und es geht los in Richtung eines „Centro infantil“ in dem wir unsere Show spielen sollen.
Nach einer sehr unterhaltsamen und lustigen Fahrt - es geht vor allem ums Essen, da anscheinend die Cochabambinos  „nicht essen um zu leben, sondern leben um zu essen…“
Wir verabreden uns gleich mit ihm, um nach der Aufführung eben dieses miteinander zu teilen!
Er kennt nämlich einen guten Ort für „Ceviche“ (ein super leckeres peruanisches Gericht, bei dem Fisch roh nur durch Zitronensäure gekocht wird). Also gut für Leib und Seele wäre schon mal gesorgt … hmmmmm
Wir werden herzlich begrüßt, befürchten aber erstmal, dass die Kinder vielleicht  zu klein sein könnten, aber wir werden beruhigt und lassen uns darauf ein.
Spielortbesichtigung ist schnell geschehen … Vorhang im Hof unter einem Sonnensegel aus Plastik aufhängen…
Dafür wird uns eine waaghalsige Leiter angeboten, auf die wir dann doch lieber dankend verzichten und einen Stuhl nehmen!!!!


Beim Umziehen und Schminken im Gruppenraum machen wir dann noch eine Entdeckung …
Echt schräg … im Kinderkaufladen liegt `ne Packung Zigaretten …  zum Glück leer!!!


Es geht los … und bis auf die 2 kleinsten Kinder sind alle total aus dem Häuschen, fiebern von Anfang bis Ende voller Begeisterung mit und tanzen am Schluss sogar ausgelassen, als wir unser Abschiedslied zum besten geben.
Noch beflügelt von den Reaktionen und dem schallenden Applaus unterhalten wir uns dann noch mit der Leiterin der Einrichtung und erfahren viel interessantes über die dortige Arbeit.
Es war anscheinend mal ein Kindergarten, fungiert jetzt aber als Kinderbetreuungseinrichtung mit Elternberatung. Die Eltern zahlen bloß einen geringen Betrag, den sie sich auch leisten können und der dann für den Einkauf des Essens benutzt wird.
Dies müssen die Väter gemeinsam machen damit sie sich bewusster mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ihrer Sprösslinge befassen.
Viele Kinder werden von ihren allein stehenden Müttern aus anderen umliegenden Regionen gebracht, die in Cochabamba arbeiten.
Einen Platz wo die Kinder währenddessen aufgehoben sind, stellt eine riesen große Hilfe für sie dar.
Wir verabschieden uns mit vielen Umarmungen und draußen wartet schon unser hungriger Freund… hehehe…


Er kennt sich wirklich aus und hat nicht zu viel versprochen, denn das Essen ist super und gibt uns wieder die nötige Kraft, um die nächsten Aufgaben, die auf uns warten, zu meistern.
Kaum zu Hause angekommen, geht’s schon wieder los, um mit den Kindern zu trainieren.
Wir haben uns ein tolles Programm ausgedacht und es läuft alles wie am Schnürchen!
Nachdem Carolin am Tag vorher zugeschaut hat, um kameratechnische Probleme wie z.B. Lichtverhältnisse einschätzen zu können, ist sie heute zum 1. Mal aktiv dabei und filmt fleißig drauf los.
Wobei wir natürlich vorher noch darüber reden, wer sie ist und was sie hier macht. Anweisungen wie „stellt euch vor, sie ist gar nicht da…“ und „jetzt dürft ihr nochmal alle direkt in die Kamera schauen…“ folgen, um den Kindern die Scheu und die Angst zu nehmen, sie aber gleichzeitig vergessen und Carolin ruhig ihre Arbeit machen lassen.
Nach einem super konzentrierten Clowns Workshop mit unglaublichen Fortschritten, was Bühnenpräsenz und Lust am Spiel angeht, geben wir den Kindern die Möglichkeit, schon an ersten selber erarbeiteten Nummern zu schrauben und diese am Ende vorzuführen.
Total beglückt und stolz über ihre 1. kleinen Auftrittsmomente schicken wir unsere Schüler ins Wochenende und treffen uns danach mit dem Film- und SOS- Team zum gemütlichen Arbeitsessen.
Hier werden die nächste Woche besprochen und um Mitternacht werden wir endlich nach Hause begleitet, wo wir alle 3 halbtot ins Bett fallen.

Am Samstag Vormittag steht der 1. Dreh Termin im SOS Dorf Cochabamba auf unserer Agenda.
Ja ja ja… Filmbusiness ist eben ein hartes Business…!
Wir werden dafür  von einer Mutter durch das Dorf geführt und müssen alles mögliche nochmal wiederholen… weil das Licht nicht passt, oder ein Mädchen aus unserem Workshop auf uns zustürmt um uns zu begrüßen, die uns aber im Film noch gar nicht kennen soll und so tun muss als wären wir Fremde für sie.
Danach besichtigen wir das Zuhause einer Familie und alles wird uns gezeigt und erklärt, festgehalten und angeleitet durch unsere Regisseurin.
Ein kleines Interview und Umziehen für die Show…

 
Endlich kann ein Teil der Kinder aus unseren Kursen zuschauen und mitlachen, was den Clowns so alles passiert und hinterher fühlen wir uns wie die großen Stars, da wir alle unsere verschenkten Postkarten signieren müssen…
Was für ein lustiges und komisches aber auch erhebendes Gefühl… hohoho…;)

 

Dann geht’s gleich weiter in ein Theater,  in dem wir den nächsten Auftritt haben.
Es ist inzwischen spät geworden aber wir müssen noch ausharren bis wir dran sind, denn an diesem Abend zeigen diverse Tanzgruppen ihr Können (es sind teilweise wunderschöne Choreographien mit traditionellen Kostümen, die uns die Geschichte und den immensen Reichtum vor Augen führen und uns staunen lassen…) für einen guten Zweck…



Die Einnahmen werden nämlich zugunsten von SOS Kinderdorf verwendet.
Unser Auftritt (wir mussten die Show kürzen und durften nur ein kleines Stückchen zeigen) kommt auch bei dem „großen“ Publikum bestens an und erzielt die gewünschte Wirkung…schallendes Gelächter!!!
Glücklich und erschöpft geht’s dann auf der Ladefläche unseres Pick-Ups nach Hause.
Müder  Max


Samstag, 20. August 2016

District nueve



17. und 18. August
Mittwoch ganz in der Früh ist Carolin Reiter, die das Projekt für SOS weltweit filmisch begleiten wird, angekommen. Am Nachmittag wurden wir von Herman abgeholt, der uns zum SOS-Tiquipaya fuhr, um dort, Carolin, Tatjana (die Dolmetscherin für Carolin) und Mijhail einzusammeln. Gemeinsam ging es dann in eins der ärmlicheren Stadtviertel von Cochabamba, in den „District 9“. Unser Fahrer kannte die Gegend nicht, aber nach mehrmaligem Fragen fanden wir das dortige Sozialzentrum dann doch noch rechtzeitig.
Von weitem sahen wir schon die „Cancha“, in der wir auftreten sollten. Als wir dort ankamen, wurden schon Stühle aufgebaut und wir halfen mit, da sie anfangs einen Karee aufgebaut hatten und wir wollten natürlich nicht, dass uns dann einige Kinder nur von Hinten sehen. Während dessen wurden ganz viele Kinder mit den Taxi-Trufis angekarrt und begrüßten uns sehr  lebhaft. Ok, Publikum schon fast da, also schnell in die Kostüme. Der Spielort war im Prinzip ein überdachter Fußballplatz.


 Ca. 250 große und kleine Menschen bestaunten das Treiben der 3 Clowns. Die Show wurde kurz von einem plötzlichen starken Wind, der uns allen Sand und Staub ins Gesicht wehte, untermalt. In dem Moment dachte ich kurz: Jetzt brauche ich sofort Wasser, sonst kipp ich um…. aber leider musste ich noch ein paar Szenen warten, bis ich endlich Wasser trinken durfte. Die Kinder ließen sich nicht von der Windboe beirren und verharrten tapfer an ihrem Platz…. naja einige Kinder fanden unseren Vorhang so spannend, dass sie sich kurzerhand mit einem riesigem Hund, der wie ein Schaf aussah, genau hinter uns und vor dem Vorhang platziert haben. Wir haben ihnen zwar gesagt, dass sie eigentlich uns dann nur von hinten sehen werden, aber sie fanden es da wohl am schönsten und blieben. Unser Spielkreis wurde immer enger. Zwischen drin wollten wir schon abkürzen, da immer wieder einige Kinder mit uns während der Show reden wollten oder ihre Mutter zeigen wollten, die weiter hinten saß, oder oder oder, aber wir wollten es doch ganz zu enden spielen, weil es so am stimmigsten war. Direkt nach der Show wurden wir  von Carolin interviewt, die währenddessen alles Mögliche gefilmt hat. Sie wollte unsere Eindrücke und Gedanken bezüglich der Gegend und der Kinder wissen. 


 Nachdem wir uns umgezogen haben, sind wir nicht gleich losgefahren, sondern haben noch auf Carolin gewartet, die einige Anwohner interviewt hat. Irgendwann fuhren wir los. Während der Fahrt erzählte uns ein Mitarbeiter von der Problematik der dort lebenden Familien. Die meisten kommen vom Land, da sie sich ein besseres Leben in der Stadt erhoffen, jedoch sind sie meist mit dem Stadtleben überfordert und finden auch keine Arbeit, da sie ihr ganzes Leben nur die Feldarbeit kennengelernt haben. Durch die aufkommende Frustration verfallen viele Männer dem Alkohol und werden ihrer Frau und ihren Kindern gegenüber gewalttätig. Oft bekommen die Leute von SOS diese Situationen nur mit, weil Nachbarn sie darauf aufmerksam machen. Um einen Kontakt mit den Familien knüpfen zu können, sprechen die Mitarbeiter von SOS auf Quechuan mit ihnen, da diese meist kein spanisch sprechen können. Dadurch erfahren die SOS-Mitarbeiter, dass es in den Familien auch Kranke gibt und sie keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, da dies nicht in ihrer Kultur verankert ist. Nachdem das erste Eis gebrochen ist, kann SOS ihnen helfen und die Familien lassen sich darauf ein. Es ist ein langer und schwieriger Prozess…. manche Familien schaffen es, sich ein neues Leben in der Stadt aufzubauen und sich den neuen Situationen anzupassen….

Donnerstag:
Um 8.30 Uhr Versammlung mit: einem Haufen SOS-Leuten, Carolin und uns. Café, Videoprojektor und Empañadas begleiten die Sitzung.
Um 10 Uhr Clownsworkshop mit den „Mamas“. Das war sehr lustig und den Mamas hat es irre viel Spaß gemacht, so dass wir kurzerhand noch einen neuen Termin am Dienstag ausgemacht haben. 




 Um 11.30 Uhr wieder Versammlung.  Um 13 Uhr, der Magen knurrt und der Kopf raucht. Wir haben Hunger und müssen noch den Workshop für die Kinder vorbereiten. Um 14 Uhr Mittagessen, um 14.45 Uhr werden wir müde und wollen uns hinlegen….geht nicht. 15 Uhr Workshop bis 18 Uhr. War ein sehr anstrengender, chaotischer Tag. Wir sind gegen 22 Uhr Hundemüde ins Bett gefallen.
Milly

Freitag, 19. August 2016

Hamburg

In Hamburg sagt man „Tschüss“, oder lieber erstmal: „Moin Moin!“
Hamburg. Großstadt. Metropole. Ziel für etliche Touristen, aber auch für viele Menschen auf der Flucht vor Krieg, Katastrophen und Armut im Heimatland. Menschen, die „gekommen sind, um zu bleiben“ wie es auf Demonstrationen gerne gerufen wird.
Grund genug für eine neue Fraktion der Clowns ohne Grenzen e.V. auch in Hamburg eine Tour durch Erstaufnahmen und Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete zu starten.
„The familia Pasta“ bestehend aus Holger Stüve, Andrea Hille, Philipp Marth (der 2015 bereits mit an der türkisch-syrischen Grenze war), Rike Eckhoff und Johanna Monnerjahn spielte im Juli in drei Unterkünften. So unterschiedlich die Geschichten und Schicksale der Kinder und ihrer Familien sind, sind auch die Einrichtungen in denen sie hier in Hamburg untergebracht sind.
2014 sah sich Hamburg mit vielen Neuankömmlingen sehr überfordert; die Folge waren riesige Zeltstädte direkt an der Autobahn, Turnhallen und etliche alte „Max Bahr“-Baumärkte, umfunktioniert und unterteilt mit Plastikplanen und Bauzäunen. Improvisiert wie der Alltag.
Ravioli, Yam Yam, Maccharoni und Gnocchi („El Boss“ Spagetta war durch verschiedene unglückliche Umstände wie gerissene Spagettibänder und erkrankte Buchstabennudeln verhindert) konnten in drei Einrichtungen des DRK/Fördern & Wohnen und dem ASB einige Kinder mit ihren Familien für eine knappe Stunde aus dem Alltag reißen. Waghalsige Akrobatik, fliegende Keulen, Mitsing-Leileilei-Musik und Rollbrettaktionen sind da genau die richtige Abwechslung und haben neben herzhaftem Lachen auch einen Moment der Unbeschwertheit gebracht. Nur wenige Wochen nach unserem Besuch ist der alte Max Bahr leer. Ein neues Möbelhaus zieht ein. Mehrere Hundert Menschen wieder weitergeschickt. In Übergangsquartiere oder mit Glück in eine lang ersehnte „Nachfolgeunterkunft“.
Die Reise der „Familia Pasta“ endet auch noch nicht und im Herbst sind weitere Auftritte geplant und dann heißt es wieder „Moin Moin“ von der Nudel-Crew.


 

 
  



Mittwoch, 17. August 2016

Kein Tag ohne Überraschungen



15.-16. August
Was ich an der Kultur mag, ist, dass es jeden Tag Überraschungen gibt. Milly und ich hatten am Montag früh die Bretter für die Rola Bolas aus der Schreinerei geholt und die, die ich im letzten Jahr für die Schule Kusi Kuna gemacht hatte, auch ausgeliehen. Mit 5 Brettern und 5 Kanalrohren haben wir uns in die Trufis gequetscht. Zuletzt mussten wir sogar einen Sitzplatz mehr bezahlen, weil wir die gesamte Rückbank eingenommen haben. Angekommen in der Sozialstation wurden wir von Rosario begrüßt, die uns mitteilte, dass heute keine Kinder da sind, weil noch Fest in Quiliakollo ist und die Kinder schon mittags abgeholt wurden.  10 waren aber dann doch da, aber dafür am nächsten Tag gar keine. Eine weitere Überraschung war dann, dass die anderen Materialien sicher verräumt in einem Zimmer waren, zu dem nur eine Mama Zugang hatte, die gerade nicht da war. Es fügte sich aber gut, so dass wir nur Rola Bola geübt haben, was den Kindern große Freude bereitet hat.


„Wo ist Max?“ war dann die Frage, mit der wir im Kinderdorf begrüßt wurden. Eine Millionen Gute-Besserungs-Wünsche haben wir eingesammelt und am Abend nach den Workshops an Max gebracht, zusammen mit mehreren Portionen Essen und tausend Ratschlägen, was ihm am besten helfen könnte – Kamille, Coca, Hühnerbrühe und und und.
Abgesehen davon, dass in den Workshops immer wieder unterschiedlich viele Kinder da sind, lernen die Kinder schnell. Am Montag haben wir die Nasen eingeführt, am Dienstag haben sich die Kinder Clownsnamen überlegt, die alle herzallerliebst waren! 


Der Clownsgang hat dann geholfen, dass viele verschiedene Clowns aufgetreten sind. Schließlich haben sich die Kinder kleine Szenen überlegt und vorgezeigt.  Stolpern haben wir auch geübt.  Bei den anschließenden Zirkuskünsten hat Milly auch schon Choreographien erarbeiten lassen, während ich mit der anderen Hälfte draußen Rola Bola geübt habe. In anschließenden Feedbackrunden fragen wir, was ihnen gut gefallen hat. Viele sagen, ihnen gefällt alles. Eine Mama sagte, dass sie Entwicklungen sieht und sich freut, dass jeden Tag etwas Neues dazu kommt.




Mir persönlich macht es sehr viel Freude mit den Kindern. Mich freuen ihre Fortschritte, aber auch zum Beispiel, wie sie verantwortungsvoll mit den Rola Bolas umgehen. Am zweiten Rola Bola-Tag haben sie sich wirklich gut gegenseitig geholfen und sich abgewechselt. Sie haben die Regeln im Umgang mit dem Material  gelernt und in diesem Rahmen experimentierten sie und hatten viel Spaß.  Auch bei den Auftritten überwinden sie immer mehr ihre Scheu, haben Freude daran und möchten mehr zeigen.
Eine weitere Überraschung erlebten wir in der „Reunión“ mit den SOS-Mitarbeitern. Bei jedem Zusammentreffen sind andere MitarbeiterInnen da. Es ist aber auch zu erkennen, dass sie sich austauschen und alle über das Projekt Bescheid wissen. Bei der gestrigen „Reunión“ haben wir gemeinsam Mittag gegessen. Weil Milly Vegetarierin ist, haben sie sich riesig Mühe gegeben, Seitan, gebackene Kochbananen, Gemüse und Salat serviert. Für die meisten Bolivianer ist Fleisch aus dem Speiseplan nicht weg zu denken. Die Idee, dass jemand kein Fleisch isst, ist sehr befremdlich. So ist das Essen oft ein wichtiges Gesprächsthema.
Gestern Abend hat Max schon wieder in der Küche getanzt. „Jetzt ist er wieder gesund“, war Millys Kommentar dazu, als wir seine kleine Show genossen haben.
Saludos de corazon
Katrin

So hier ist er wieder…quasi von den Toten auferstanden!!!
Zwar noch nicht fit wie ein Turnschuh, aber wenigstens schon wie eine Sandale…;)
Dank der wunderbaren Pflege und Fürsorge meiner beiden Kolleginnen!
Auch dank Katrins unerschütterlicher Geduld und ihren „Zauberkünsten“ ging s so schnell wieder bergauf…
Ihr seid die besten…!!!
Und jetzt kann ich‘s kaum erwarten eeeeendlich  wieder loszulegen…mich kribbelt‘s schon am ganzen Körper und freu mich wie ein Schnitzel wieder spielen und mit unseren Kindern arbeiten und lachen zu können…;)
Also auf auf…
Mit ulkigen Grüßen Max