Samstag, 1. Oktober 2016

Fortsetzung folgt



Der letzte Spieltag beginnt hoch motiviert und bestens gelaunt bei einem gemeinsamen Frühstück. Anschließend machen wir uns daran unsere Sachen zu packen und brechen auf. Doch schon beim Auto fanden wir Tamara und Daniela auf dem Boden sitzend vor, über das Leih-Akkordeon gebeugt. Das gute Stück hatte Bekanntschaft mit der Schwerkraft gemacht und verweigert seither den Dienst. Trotz aller Wiederbelebungsversuche schafften wir es nicht das Akkordeon wieder für die nächsten Auftritte bereit zu machen und so beschlossen wir es einem Fachmann zu übergeben.



Durch diese Verzögerung viel unsere Erkundungstour durch Bautzen leider aus und wir fuhren los in Richtung unseres ersten Auftrittsortes für diesen Tag.

 


An der DRK Einrichtung in Weißkeissel angekommen erwarten uns bereits vor den Gebäuden drei Stühle für uns Clowns und Stühle für die Zuschauer. Hier wurde eindeutig Vorarbeit geleistet. Einige Kinder testeten schon vorab unsere Plätze auf Bequemlichkeit und Überblick. Eine passende Umkleide wurde für uns auch gleich gefunden und wir machten uns bereit für den Auftritt. Die Leiterin der Einrichtung bat uns vor dem Auftritt durch beide Gebäude zu ziehen um auch wirklich alle Bewohner auf den Vorplatz zu locken. Gesagt getan und wir zogen musizierend an den bereits wartenden Zuschauern vorbei in das andere Gebäude. Nach dem wir dort kurz verschwunden waren stellte  eines der wartenden Kinder fest dass es sich hierbei eindeutig nur um eine „Vorschau“ handeln konnte.

Im inneren fanden wir doch tatsächlich noch einige Bewohner in einer Küche wieder, die uns aber prompt folgten und so konnten wir unseren Auftritt wie gewohnt beginnen.
 

 











Offensichtlich hatte jeder der Anwesenden einen riesen Spass mit uns und wir auch mit ihnen. Doch dieses Mal wurden nicht nur die Zuschauer durch uns überrascht, sondern auch wir von ihnen. Denn zum Finale bekamen wir von allen Kindern gelbe und rote Rosen überreicht und am Rande unserer „Bühne“ wartete, wie durch Zauberhand, bereits ein Tisch voller selbstgemachter Leckereinen auf uns.
Wir führten Im Anschluss noch einige Gespräche mit den Bewohnern und es wurde klar dass dieser Tag ein ganz besonderer für sie war und sie sich schon lange auf unser Kommen gefreut hatten. Dank einer offensiven und gut vernetzten Arbeit der Einrichtungsleitung und den Ehrenamtlichen Helfern scheinen die Akzeptanz sowie der Anschluss der 8 Familien im Ort auch sehr gut zu sein. Die Deutsch Kenntnisse, gerade bei den Erwachsenen, überraschen mich hier wieder und es kommt zum Abschluss zu einer äusserst herzlichen Verabschiedung. Ich fühle mich als wären wir schon öfter hier gewesen und spüre den Drang hier her auch wieder zurück zu kommen. Ein sehr familiäres Gefühl beschleicht mich und wir winken aus dem Auto bis wir ausser Sicht sind.







Zeit diese Eindrücke zu verarbeiten und sich untereinander auszutauschen bleibt dieses Mal genügend. Die Fahrt zum nächsten und letzten Auftritt dieser Reise zieht sich Dank des Verkehrs erheblich. In Kombination mit dem ungeplanten längeren Aufenthalt in Weißkeissel kommen wir erst eine Stunde nach dem geplanten Start in Tanndorf an.
Das Bildungs- und Sozialwerk Muldental betreibt dort eine Einrichtung für sogenannte UMA. Unbegleitete Minderjährige Asylsuchende. Die Schicksale die hinter diesem Begriff stecken sind oft mehr als dramatisch. Einige haben die Hoffnung ihre Eltern irgendwann vielleicht wieder zu sehen, andere haben die Gewissheit dass dies nicht mehr geschehen kann. Mir wurde hier wieder deutlich vor welchen Schicksalen wir unsere Show spielen. Dass ein einziges Lächeln keine Selbstverständlichkeit ist.






Und doch gehen sie zur Schule und versuchen einem geregelten Alltag nachzugehen.
Die 24 Bewohner aus Afghanistan, Pakistan und dem Iran, sind nach Geschlechtern getrennt in zwei Gebäuden untergebracht. Schon beim Betreten stellen wir eine sehr jugendliche Stimmung im Haus fest. „Typisch Jugendlich“ erklärt uns eine Mitarbeiterin mit einem Schmunzeln.
 Zum letzten Mal machen wir uns im Büro für den Auftritt fertig, stellen uns zusammen mit Niko in einem Kreis auf und blicken uns lachend in die Augen. Los geht’s!






Anfangs etwas Verhalten kommen die Jugendlichen schnell in Fahrt und die Stimmung erreicht ein typisches Niveau für unsere Shows. Es wird gelacht, gefeixt und mitgefiebert.




Zum Abschluss folgen uns die Jungs bis vor das Büro der Einrichtung, machen Fotos und tanzen zu unserer Musik. Die Stimmung ist sehr ausgelassen und wir bekommen viele Hände und noch mehr „Danke“.
 


Zügig packen wir ein und wollen aufbrechen da kommt einer der Jugendlichen und möchte sich noch einmal gezielt bei Tamara verabschieden. Scheinbar weckte sie Erinnerungen an seine große Liebe die „nicht da“ ist.
Er begleitet uns bis zum Auto und wünscht uns eine gute Fahrt. Gleichzeitig bleibt bei mir ein Gefühl das ich momentan noch nicht fassen kann.
Wir fahren durch die Nacht zurück nach Leipzig und uns allen ist klar: Es gibt noch viel zu tun.

Ich wünsche euch Liebe. Mehr braucht ihr nicht.

Tobi


Donnerstag, 29. September 2016

Neue Wege



Heute starten wir ungewöhnlich spät, gegen zwölf. Wir fahren nach Löbau in Ostsachsen, in eine Gemeinschaftsunterkunft.








Der Empfang durch den Hausmeister und einen ehrenamtlichen Mitarbeiter ist freundlich, aber es scheint zunächst so, als käme gar niemand auf den Hof der Unterkunft. Nach demokratischem Entscheidungsprozess laufen wir musizierend durch die Flure der zwei Stockwerke und begrüßen die aus ihren Zimmern tretenden Bewohner, vorrangig Menschen aus Eritrea, dem Irak und Syrien. Männer und Frauen strahlen und bewegen sich zum Rhythmus unserer Instrumente, einige Kinder stehen still vor Überraschung. Ein Paar aus Afrika verzaubert uns durch Anmut in weiß-goldenen Gewändern. Unten versammeln sich schließlich etwa 20 Erwachsene und 3 Kinder. Ich bin zum erstenmal als aktive Clownin dabei und sehr glücklich über die Wirkung unseres Tuns.






Nach dem Auftritt kommt es noch zu freundlichen Gesprächen mit den Bewohnern. Auch das Informationsbedürfnis der Mitarbeiter ist größer als in Leipzig; wir verweilen etwas länger als geplant. Der nachhallende Wermutstropfen wurde durch einige junge Männer, die während des Auftrittes aggressive Sprüche rufend am Zaun entlanglaufen, eingegossen. Unser Publikum verstand die Worte wohl nicht und ließ sich nicht ablenken. Wir sprechen noch mehrfach auch über ihre räumliche Situation, die sich wahrlich angenehmer gestalten könnte. Am heutigen Nachmittag sahen wir sie herzhaft lachen und fröhlich winken.



Auf dem Weg nach Friedersdorf sind wir unter Zeitdruck und erfahren am Telefon, dass dort keiner der Anwesenden von unserem Kommen weiß. Da ich den Auftritt organisiert habe, beschäftigt es mich besonders und bin ich umso mehr erleichtert, als wir beim Ankommen an einem scheinbar unbewohnten Gebäude des DRK schnell Verantwortlichen begegnen. Sie organisieren in Windeseile Platz, Stühle und Publikum und es wird ein überaus bereicherndes Erlebnis.








Yo-Ho! formt nach dem Auftritt aus Luftballons Tiere und Blumen. Die überwiegend aus Syrien stammenden ca. 20 Kinder und 20 Erwachsenen wollen viele Fotos mit jedem von uns, erzählen von sich und verbreiten eine überaus herzliche Willkommensstimmung.







Wir fahren nach Bautzen in die vermutlich sehr schöne Altstadt (dunkel wars, die Sterne blinkten) und wirken wohl ein wenig abgespannt, deutlich einverstanden mit dem Clowns-ohne-Grenzen-Sein.

Eine gute Nacht / Laila saida!

Daniela Döring

Mittwoch, 28. September 2016

Vom Winde verweht





Los geht es morgens mit dem Leih-Akkordeon im Gepäck in die 91. Grundschule in Leipzig. Dort warten ca. 40 Kinder aus 2 DaZ-Klassen samt Lehrkräften auf dem Sportplatz auf uns.
Der Wind und der dadurch aufgewirbelte Staub konnten weder die Kinder noch uns beeindrucken, und so waren die Kinder mit viel Eifer und Energie bei unserer Show dabei. Zum Abschluss begleiteten uns die Kinder singend und tanzend bis zu unserer Garderobe.





Nach kurzer Mittagspause ging es schon weiter in den Hort der 46. Grundschule in Leipzig, die wir am Montag schon einmal besuchten. Heute war dort das Sommerfest des Horts, nächste Woche sind in Leipzig Herbstferien und so war es eine gelungene Abwechslung für die rund 250 Kinder und 30 Erwachsenen in der letzten Schulwoche. Einzelne haben uns am Montag schon gesehen und freuten sich riesig über einen zweiten Besuch von Yo-Ho!, Puh und Rotadella.








Die 3. Station für heute war die Unterkunft in der Lilienthalstrasse, die von Herberge e. V. betreut wird. Die Unterkunft gibt es schon seit den 80er Jahren und ist somit auch ein bisschen in die Jahre gekommen.







Einige Bewohner sind schon seit 7 Jahren dort und manche erst seit ein paar Wochen. Auch hier hatten wir mit dem Wind zu kämpfen, der uns sogar den Bühnen-Vorhang umwehte. Nach der Show hatten die Kinder viele Fragen, wollten uns ganz nahe sein und wollten viele Fotos mit uns machen. Ein Mädchen äußerte mit großen Augen den Wunsch, dass sie auch soooo gerne ein Clown wäre ...



 

Gute Nacht und liebe Grüße
Rotadella - Sonja











Dienstag, 27. September 2016

Akkordeon gesucht!





Nach einer sehr erholsamen Nacht und einem gesunden Frühstück brechen wir auf zu unserem ersten Auftritt in die 46. Grundschule, die auch eine sogennante DAZ (Deutsch als Zweitsprache) Klasse unterrichten.
An der Schule angekommen packen wir, wie immer unsere Sachen aus und bemerken auch gleich das ein wichtiges Gepäckstück nicht vorhanden ist. Das Akkordeon - oh nein! Schnell nochmal ins Hotel und schauen ob es da liegen gelassen wurde. Schon auf der Fahrt dort hin war mir klar, dass wir es sicher am Vortag stehen lassen haben . So war es dann leider auch.
Schnell zur Schule zurück, denn die Kinder warten schon.






Ich freunde mich schnell mit meinem neuen Instrument an, dem Kazzoo und die Show kann los gehen.Wir spielen heute für ca 40 Kinder. Die Show läuft super, YoHo (Tobi) und Rotadella ( Sonja) sind schon voll in ihrem Element. Nach der Show verteilen wir noch ein paar Postkarten und verabschieden uns von den Kindern.




Dann machen wir uns auf den Weg um mein Akkordeon zu suchen aber leider ohne Erfolg. Nach einer kurzen Pause gehts dann ins benachbarte Wurzen, ca 40 min von Leipzig entfernt.





Dort spielen wir für den NDK (Netzwerk demokratische Kultur) für geflüchtete Familien sowie für die Dorfbewohner. Auch war heute ein kleiner Beitrag im MDR Radio von unserer Arbeit zuhören.






Unser dritter Auftritt findet in einer Erstaufnahmeeinrichtung von den Maltesern in Dölzig statt.
Dort wohnen zur Zeit ca 120 Menschen. Von der Aufmachung her wirkt diese Einrichtung wie ein Gefägnis mit dicken schweren Toren, Stacheldraht und viel Security. Aber ein Mitarbeiter erzählt uns, dass die Stimmung meist gut ist und das ihm das Arbeiten mit den Menschen hier Spaß macht.







Auch hier läuft die Show sehr gut, die Kinder steigen voll in unser Spiel ein aber auch die Erwachsenen sind sichtlich angetan. Yo Ho hat den Luftballon kaputt gemacht und ich bin ganz schön traurig. Ein jüngerer Mann will mir aber unbedingt helfen Yo Ho das heimzuzahlen, daraus entstand dann eine kleine Verfolgungsjagd. Wir hatten Spaß und sind sehr glücklich so wie es läuft.








Im Hotel angekommen, hat die Hotel Chefin auch noch eine kleine Überraschung für mich.
Ich darf für unsere Zeit hier das Akkordeon von ihrer Tochter ausleihen.

Be Happy und gute Nacht Tamara alias Puh