Sonntag, 22. Januar 2017

Rafsanjan

Um 8:50 wurden wir vom Hotel abgeholt. Tala, die Mitarbeiterin des UNHCR und ein Fahrer begrüßten uns herzlich. Wir fanden alle Platz im Auto des UNHCR. Unser Gepäck bekam sein eigenes Taxi und es ging los, in ein afghanisches Flüchtlingscamp nach Rafsanjan. Auf der einstündigen Fahrt war genügend Zeit noch offene Fragen zu klären und sich über Verschiedenes auszutauschen. Auf Farsi bis 10 zählen gehört immer dazu. Es ging hinaus in die Weite dieses wunderschönen Landes, die beeindruckenden Berge begleiteten uns auf jeder Seite. Zu unserer großen Überraschung hielten wir auch kurz an und jeder bekam eine riesige Portion Pistazien-Ice-Cream in die Hand gedrückt. Ein Geheimtipp und ein Stopp, der einfach sein muss. Glücklich und mit gekühlten Bäuchen fuhren wir weiter. 






 
Dann waren wir da, fuhren in das Flüchtlingscamp und gingen zum verantwortlichen Lagerleiter der Bafia, dem Ministerium für Ausländerangelegenheiten. Nach einer herzlichen Begrüßung warteten wir bei einer Tasse Tee auf alle organisatorischen Abklärungen, die erledigt werden mussten. Die Schulkinder wurden informiert, dass die Clowns jetzt da sind und wir gingen zum Vorraum des Gebetsraum, wo wir spielen sollten. 
 
 
 
 Wie schon so oft war das Publikum, ca. 180 Kinder, schon da und wir hatten nur kurz Zeit uns umzuziehen. Mit unserem Lied "Hepp - Hup - Happ" zogen wir ein und begrüßten die Kinder. Viele Augen schauten uns strahlend an, auf der einen Seite die Jungs und auf der anderen die Mädchen. 
 






 
 
 Viele schöne Momente mit den Kinder waren schon in der Show dabei und die anschließenden Begegnungen beim Foto sind und bleiben die wirklichen Momente der Begegnung. Ganz nah, offen und intensiv erlebte ich diesen Moment. Leider hatten wir keine Zeit diesen länger auszukosten, da die Gebetszeit schon ausgerufen wurde und wir die Moschee samt Vorraum räumen mussten. Draußen waren aber noch sehr viele Menschen,die uns sehen wollten.
Wir bedankten uns am Ende noch beim Leiter und Susie übergab ihn einen Flyer und die rote Nase für schlechte Zeiten. Dies ist auch immer ein sehr wichtiger Momemt, um die Begegnung und den Einsatz völlig abzurunden.
Die Eltern von Tala, hatten uns zum Mittagessen eingeladen und wir durften wieder einmal die außerordentliche Gastfreundschaft dieses Landes genießen. Ein besonderer Moment ergab sich am Ofen im Garten, als uns gezeigt wurde wie das typische Brot gebacken wird. Man steht zusammen, die einen zeigen etwas von ihrer Kultur, die anderen lernen und immer kommt es zum gemeinsamen Lachen, was nicht nur damit zusammenhängt, dass einige Clowns dabei sind.
Auf der Rückfahrt kamen wir auch wieder gut ins Gespräch. Wir erfuhren mehr über die Situation der Menschen im Flüchtlingslager. Zum Beispiel, ob sie arbeiten dürfen, wer einen Pass hat oder wie man ein Visum bekommen kann. Die meisten Menschen sind schon im Lager aufgewachsen und haben manchmal weder einen Pass vom Heimatland, noch einen von ihrem Geburtsland. Talas Fragen zum Clown-sein brachte Susie dazu viel über den tiefen Sinn und Hintergrund des Clowns zu erzählen, und wir hatten alle etwas zum staunen und lachen. Für mich war das der bewegendste Moment der Begegnung in dieser Stunde.
Im Hotel angekommen machten wir uns kurz frisch für den nächsten Einsatz im Krankenhaus. Wir sollten um 18:00 Uhr da sein und waren schon gespannt auf den Ort, der uns erwartete. Auch hier blieb nur Zeit sich umzuziehen, dann ging es auch schon auf die beschützende Station für Kinder und Jugendliche, die in psychiatrischer Behandlung sind. 
 
 
 
 Wir spielen, und auch wenn das Staunen oft größer war als der Applaus, zeigte sich nachher im Stationszimmer die Wirkung unseres Besuches. Ein fast erwachsener Junge wollte sich bedanken und tat dies mit einem seiner selbst gemalten Bilder. Viele Blicke erreichten uns und zeigten ihre Freude und Dankbarkeit. Auch wenn sich hinter uns die Tür wieder schloss, war mein Herz weiter geöffnet worden für die Idee jedem Menschen in jeder Situation frei zu begegnen und wie Susie uns später in unserer abendlichen Runde auch sagte, den Augen-Blick mit diesem Menschen zu leben.
Müde, voller Eindrücke fuhren wir direkt zum Hotel und taten das, was es ganz rund macht am Tag, wir sprachen miteinander über alles und hörten uns lange zu.

Die besten Grüße an alle die uns auf diese Weise begleiten.
Andreas und sein Heppi

P.S.: Leider dürfen wir aus unterschiedlichen Gründen meistens die Gesichter der Menschen nicht zeigen. Wir hoffen, daß sich Freude und Intensität der Begegnungen trotzdem vermitteln lassen. Den besten Eindruck gewinnt man, wenn man selbst die Reise in dieses wundervolle Land mit seinen Menschen unternimmt......

Samstag, 21. Januar 2017

nach Kerman

ein Reisetag!



Pünktlich um 9.30 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Inlandsflughafen in Teheran. Heute war der iranische Sonntag, also wenig Verkehr. Um 13.45 landeten wir bei frühlungshaften 14Grad Celsius 800 km südlich in Kerman.



Die kurze Taxifahrt zum Hotel war ob der frischen Luft mit Bergen und blauem Himmel ein Hochgenuß.
2014 spielten wir hier bereits in einem der Flüchtlingslager des UNHCR. 
Bei der Absprache für den folgenden Tag spielten wir kleine Auszüge aus der Show für die UNHCR-Zuständigen und ihre Kinder. 
 
 
 
 Nach einem kurzen Gang über den Bazar, packen wir wieder den Showkoffer,
sprechen die Show noch einmal durch und sammeln Kräfte für den morgigen Tag. 
 
 

Freitag, 20. Januar 2017

Im Süden von Teheran

Zweiter Tag, zweite Show und alles ist anders als am ersten Tag: Um 9.30 Uhr brachen wir in den Süden von Teheran auf.

Später wird’s bekanntlich von alleine, so auch heute bei einer vierfachen Umrundung eines Parks, auf der Suche nach dem Eingang zum Khaneh Khorshid. Wir kletterten schließlich über den Zaun und turnten voll bepackt durch die Baustelle. Angekommen bei Khaneh Khorshid, der Einrichtung für Frauen, die wir 2013 schon besuchten, hatten wir eine kurze Orientierungspause mit Rundgang: Früher wurden hier Frauen noch während deren Drogenabhängigkeit betreut, jetzt nur noch nach erfolgreichem Entzug. Sie und ihre Kinder werden dabei unterstützt, ihr neues Leben zusammen zu bewältigen. Während des Rundgangs erzählten uns einige der Frauen ihre persönliche Geschichte.
Wir spielten dann für ca. 40 Kinder, die Betreuerinnen und Frauen im Garten, willkommen waren auch die Zaungäste,






auf feuchtem Erdboden mit Grasstoppeln und Erdlöchern, bei mildem Sonnenschein, einer windigen Brise und dem Imam beim Mittagsgebet. Für Clowns, Leiter, Koffer und Papier eine rechte Herausforderung, neben der Joghurt-Trink-Keks-Orangen-Reichung für die Kids.



Am Ende machte das gemeinsame Aufräumen wieder am meisten  Spaß, der Koffer füllte sich dank der Kinder ratzfatz und mit Allez-hop fanden wir unser Abschlussbild.

Gleichzeitig gedenken wir der verstorbenen Feuerwehrmänner, die heute in Teheran bei einem Großbrand in einem Hochhaus ihr Leben für die Rettung der im Haus Befindlichen gaben.
Auf dem Heimweg vom Bazar im Süden der Sadt waren nach wie vor Straßen und Kreuzungen gesperrt, was uns das Ausmaß der Katastrophe erst verdeutlichte.
Wir drücken den Familien der Verstorbenen unser tiefes Mitgefühl aus.

Mittwoch, 18. Januar 2017

Salam Iran, Salam Tehran!

Es hat geklappt!!!

Der Anfang hat uns gleich ausreichend Spannung bereitet, doch mit sportlich, lässiger Aufregung nahmen wir alle Hürden: Um 8 Uhr am Münchner Flughafen, um 20 Uhr (+ 2.5 Std. Zeitverschiebung) wurden wir schließlich äußerst freundlich und interessiert in Teheran begrüßt. Die ganze Anspannung löste sich zunächst bei der Taxifahrt in die Stadt und vollkommen bei unseren umwerfenden Gastgebern. Nach einem herrlichen Nachtmahl iranischer Köstlichkeiten fielen wir unendlich müde in unsere Betten. Heute begann der Tag mit der Testvorstellung in "unserem" vollausgelasteten Wohnzimmer, das beste Warm-up für geschlauchte Clowns.


Kurze Absprachen, kleine Häppchen und los ging's zur Jamiat Imam Ali Schule in Ahmad Abad. Gerade noch rechtzeitig zum Umziehen ging's mit Allez-hop auf die Bühne, und da standen wir: Hepp, Hup und Happ bei unserer gelungene Premiere für 75 afghanische Kinder und deren Betreuer/Innen.


Um 15 Uhr sollten eigentlich alle nach Hause gehen, aber die Begeisterung und das Umarmen nahmen kein Ende. Wir bekamen viele schöne selbstgemalte Bilder und neugierige Blicke, die uns am Umziehen hinderten. Langsam zur Ruhe kamen wir schließlich beim gemeinsamen Tee mit den Mitarbeitern. Die lange Rückfahrt, oder besser Rückstand durch die Teheraner Rush Hour (gerne wären wir gerushed, aber es houerte) ließ uns genügend Zeit zum Dösen, Gedanken nachhängen und austauschen über die vergangenen Stunden. Endlich daheim gibt es wie immer einiges zu tun: Verschwitzte Clowns und Kostüme waschen, Bühnenkoffer sortieren, Bilder unseres fabelhaften Film- und Fotografen Walter Steffen auswählen und Reisebericht schreiben. Und nun: Schnell ins Traumland, morgen heißt's um 9.30 Uhr Abfahrt! Khoda hafez vom Team!
 
 
 
Herzlichsten dank an Bernhard Gradl, Solmaz Mougouie, Reza Abedini und seine Familie. 

Samstag, 1. Oktober 2016

Fortsetzung folgt



Der letzte Spieltag beginnt hoch motiviert und bestens gelaunt bei einem gemeinsamen Frühstück. Anschließend machen wir uns daran unsere Sachen zu packen und brechen auf. Doch schon beim Auto fanden wir Tamara und Daniela auf dem Boden sitzend vor, über das Leih-Akkordeon gebeugt. Das gute Stück hatte Bekanntschaft mit der Schwerkraft gemacht und verweigert seither den Dienst. Trotz aller Wiederbelebungsversuche schafften wir es nicht das Akkordeon wieder für die nächsten Auftritte bereit zu machen und so beschlossen wir es einem Fachmann zu übergeben.



Durch diese Verzögerung viel unsere Erkundungstour durch Bautzen leider aus und wir fuhren los in Richtung unseres ersten Auftrittsortes für diesen Tag.

 


An der DRK Einrichtung in Weißkeissel angekommen erwarten uns bereits vor den Gebäuden drei Stühle für uns Clowns und Stühle für die Zuschauer. Hier wurde eindeutig Vorarbeit geleistet. Einige Kinder testeten schon vorab unsere Plätze auf Bequemlichkeit und Überblick. Eine passende Umkleide wurde für uns auch gleich gefunden und wir machten uns bereit für den Auftritt. Die Leiterin der Einrichtung bat uns vor dem Auftritt durch beide Gebäude zu ziehen um auch wirklich alle Bewohner auf den Vorplatz zu locken. Gesagt getan und wir zogen musizierend an den bereits wartenden Zuschauern vorbei in das andere Gebäude. Nach dem wir dort kurz verschwunden waren stellte  eines der wartenden Kinder fest dass es sich hierbei eindeutig nur um eine „Vorschau“ handeln konnte.

Im inneren fanden wir doch tatsächlich noch einige Bewohner in einer Küche wieder, die uns aber prompt folgten und so konnten wir unseren Auftritt wie gewohnt beginnen.
 

 











Offensichtlich hatte jeder der Anwesenden einen riesen Spass mit uns und wir auch mit ihnen. Doch dieses Mal wurden nicht nur die Zuschauer durch uns überrascht, sondern auch wir von ihnen. Denn zum Finale bekamen wir von allen Kindern gelbe und rote Rosen überreicht und am Rande unserer „Bühne“ wartete, wie durch Zauberhand, bereits ein Tisch voller selbstgemachter Leckereinen auf uns.
Wir führten Im Anschluss noch einige Gespräche mit den Bewohnern und es wurde klar dass dieser Tag ein ganz besonderer für sie war und sie sich schon lange auf unser Kommen gefreut hatten. Dank einer offensiven und gut vernetzten Arbeit der Einrichtungsleitung und den Ehrenamtlichen Helfern scheinen die Akzeptanz sowie der Anschluss der 8 Familien im Ort auch sehr gut zu sein. Die Deutsch Kenntnisse, gerade bei den Erwachsenen, überraschen mich hier wieder und es kommt zum Abschluss zu einer äusserst herzlichen Verabschiedung. Ich fühle mich als wären wir schon öfter hier gewesen und spüre den Drang hier her auch wieder zurück zu kommen. Ein sehr familiäres Gefühl beschleicht mich und wir winken aus dem Auto bis wir ausser Sicht sind.







Zeit diese Eindrücke zu verarbeiten und sich untereinander auszutauschen bleibt dieses Mal genügend. Die Fahrt zum nächsten und letzten Auftritt dieser Reise zieht sich Dank des Verkehrs erheblich. In Kombination mit dem ungeplanten längeren Aufenthalt in Weißkeissel kommen wir erst eine Stunde nach dem geplanten Start in Tanndorf an.
Das Bildungs- und Sozialwerk Muldental betreibt dort eine Einrichtung für sogenannte UMA. Unbegleitete Minderjährige Asylsuchende. Die Schicksale die hinter diesem Begriff stecken sind oft mehr als dramatisch. Einige haben die Hoffnung ihre Eltern irgendwann vielleicht wieder zu sehen, andere haben die Gewissheit dass dies nicht mehr geschehen kann. Mir wurde hier wieder deutlich vor welchen Schicksalen wir unsere Show spielen. Dass ein einziges Lächeln keine Selbstverständlichkeit ist.






Und doch gehen sie zur Schule und versuchen einem geregelten Alltag nachzugehen.
Die 24 Bewohner aus Afghanistan, Pakistan und dem Iran, sind nach Geschlechtern getrennt in zwei Gebäuden untergebracht. Schon beim Betreten stellen wir eine sehr jugendliche Stimmung im Haus fest. „Typisch Jugendlich“ erklärt uns eine Mitarbeiterin mit einem Schmunzeln.
 Zum letzten Mal machen wir uns im Büro für den Auftritt fertig, stellen uns zusammen mit Niko in einem Kreis auf und blicken uns lachend in die Augen. Los geht’s!






Anfangs etwas Verhalten kommen die Jugendlichen schnell in Fahrt und die Stimmung erreicht ein typisches Niveau für unsere Shows. Es wird gelacht, gefeixt und mitgefiebert.




Zum Abschluss folgen uns die Jungs bis vor das Büro der Einrichtung, machen Fotos und tanzen zu unserer Musik. Die Stimmung ist sehr ausgelassen und wir bekommen viele Hände und noch mehr „Danke“.
 


Zügig packen wir ein und wollen aufbrechen da kommt einer der Jugendlichen und möchte sich noch einmal gezielt bei Tamara verabschieden. Scheinbar weckte sie Erinnerungen an seine große Liebe die „nicht da“ ist.
Er begleitet uns bis zum Auto und wünscht uns eine gute Fahrt. Gleichzeitig bleibt bei mir ein Gefühl das ich momentan noch nicht fassen kann.
Wir fahren durch die Nacht zurück nach Leipzig und uns allen ist klar: Es gibt noch viel zu tun.

Ich wünsche euch Liebe. Mehr braucht ihr nicht.

Tobi