Sonntag, 7. Juni 2015

Köln-Porz

DEUTSCHLAND-TOUR 2015
Tag 6
Samstag, 6.6.15
Köln-Porz (Nordrhein-Westfalen)

Heute Mittag begleitet uns Angelika zur Notunterkunft in Köln-Porz. Nach unserem täglichen Interview, auf dem Parkplatz vor der Notunterkunft, werden wir von einer Verantwortlichen abgeholt. Die etwa 250 Flüchtlinge sind in einem ehemaligen Baumarkt untergebracht.


Gleich nach der Eingangstür stehen wir in einer riesen Halle. Auf der linken Wand ist ein großes Gemälde, ein Baum, in dem die fünf Kontinente das Blattwerk bilden und um den herum „Willkommen“ in allen erdenklichen Sprachen steht. Auf der gegenüberliegenden Seite hängen Photos von Kindern. In dem hinteren Teil des Gebäudes hat man viele kleine Wohneinheiten gebaut. Die Zimmer sind nach oben geöffnet, und zur Orientierung sind die Wohneinheiten mit verschiedenfarbigen Bändern gekennzeichnet. Es gibt einen geräumigen Gemeinschafts- und Essensbereich, außerdem eine Art Spielplatz. Man spürt hier nicht nur pragmatische Einrichtung, sondern auch feinfühlige Gestaltung.
Die Stimmung ist entspannt. Auf dem Parkplatz sitzen Asylsuchende in Grüppchen auf Campingstühlen.

Wir machen uns an die täglichen Vorbereitungen: Vorhang- und Lichttraverse aufstellen und bestücken. Danach geht es zum Umziehen. Wir sind heute ausnahmsweise früh dran, es gibt noch Zeit, um mit Nadel und Faden Kostüme auszubessern und ein paar Bälle zu werfen. Wir sind nun fast eine Woche unterwegs, die anfängliche Frische ist überlagert von Routine und Schlafmangel, doch die Stimmung in der Crew ist ungebrochen gut. Das Clown- und das Filmteam verschmelzen zusehens zu einer flexiblen Einheit.



14 Uhr. Wir spielen vor knapp 200 Menschen eine beschwingte Show. Die Highlights sind heute eindeutig die Seifenblasen. Kein unberechenbarer Wind stört. Waschli und Duda verschwinden fast komplett in einer Riesenblase... das Publikum staunt.










Nach der Vorstellung kommen noch unzählige Photos mit Kindern und Clowns auf Festplatten von Smartphones. Die Atmosphäre ist gelöst und herzlich.
Nach dem Aufräumen und dem Abschiedswinken geht es zügig weiter, da wir noch ein gutes Stück Weg vor uns haben.
Abendessen gibt es in Weinheim. Eine entzückende mittelalterliche Stadt. Das Interview mit uns drehen wir am Stadtbrunnen. Eine Frage schält sich heraus: Wie empfinden wir die vermeintliche Diskrepanz zwischen der Notunterkunft und dem gediegenen Marktplatz hier mit vielen gut besuchten Restaurants in wundervollen Abendlicht?
Ja, wir bewegen uns zwischen den Welten. Clowns sind irgendwie überall und doch nirgends richtig zuhause oder vielleicht so rum: Der Clown bringt seine Welt mit und teilt diese bereitwillig und ausgiebig.

Gute Nacht von der A 81!

Andreas

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