Mittwoch, 12. April 2017

Two shows left and the Wehmut is klopfing an der Türe …


06:00 Uhr stand auf dem Wecker, als er morgens zum Aufbruch läutete. Heute war es Zeit für einen Ortswechsel und wir mussten schweren Herzens unser liebgewonnenes Appartement - unsere einfache Basisstation mit Heimkommgefühl in Sibiu/Hermannstadt - räumen. Adrian unser rumänischer Vermieter ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich und ganz herzlich zu verabschieden. Die letzten neun Tage vergingen wie im Flug und wir haben uns hier sehr wohl gefühlt. Es war ein guter Ort, um sich nach langen Fahrten zu erholen, die Eindrücke des Tages auszutauschen, gemeinsam zu essen, zu proben, zu planen, zu schreiben, zu bloggen und zu lachen.



Die frühmorgendliche Reise führte uns nach Petrosani, 2,5 Std. westlich von Hermannstadt in den Karpaten Transsylvaniens. Der Ort ist bekannt als „Stadt der Kohle“, denn hier herrschte vor allem zu Zeiten des Kommunismus reger Kohlebergbau. Die Industrialisierung der ländlichen Regionen Rumäniens durch das Ceaușescu-Regime benötigte viel Energie - vornehmlich durch Kohlekraftwerke. Diese Entwicklung gab vielen Rumänen aber auch Ungarn, Bulgaren, Italienern oder Deutschen die Möglichkeit, einer schweren aber gut bezahlten Arbeit nachzugehen. Um die Attraktivität dieser Arbeit zu steigern, wurden einfache Wohnblöcke mit kleinen Zimmern gebaut, in die sich die Beschäftigten für wenig Geld einmieten konnten. So entstanden in Mitten der Berge kleine Städte aus Arbeitern und deren Familien - unter anderem auch Petrosani. Doch nach Ende des Kommunismus wurde eine Kohlemine nach der anderen geschlossen, die Angestellten verloren ihre Arbeit und Eltern hatten es schwer, sich und ihre Familien zu versorgen. Die Stadt hatte zu Hochzeiten über 100.000 Einwohner - jetzt nur noch 37.000. Viele der Wohnblöcke stehen leer und verfallen. Und Arbeitsplätze gibt es kaum.



Davon erzählte uns auch Alex Kelemen, während wir unsere Blicke immer wieder über die heruntergekommenen Wohnblöcke vor seinem Bürofenster schweifen ließen. Alex ist ein Sozialarbeiter und Projektleiter der Caritas, die seit etwa zehn Jahren hier in Petrosani tätig ist. Er und seine Kolleginnen und Kollegen betreuen hier zahlreiche Projekte. Von der Nachmittagsbetreuung von Schulkindern über Altenhilfe bis hin zur Inobhutnahme von Straßenkindern, die entweder verwaist oder aufgrund von Misshandlungen innerhalb der Familie auf der Straße leben. Seine Kollegin Ramona Bulzan hat uns hier in Petrosani vier Auftritte vermittelt. Die ersten beiden am heutigen Tag. Den Anfang machte eine der - laut Alex Kelemen - am besten ausgestatteten Schulen, was zuerst Verwunderung bei uns auslöste. Schließlich spielen wir gerne für Kinder, denen die Teilnahme am kulturellen Leben durch ihre Lebensumstände verwehrt bleibt. Doch die Schule bietet unter anderem auch spezielle Klassen für derzeit 29 Kinder mit Behinderungen oder schweren Krankheiten an. Mit diesen Schülern trafen wir uns heute in einer kleinen Turnhalle zur Show von den Clowns ohne Grenzen. Wir hätten auch gerne für die ganze Schule gespielt, am besten draußen auf dem Sportplatz in der Sonne. Aber die anderen Schüler hatten Unterricht - unter anderem auch auf dem Sportplatz. Diesen Wunsch früher zu äußern, haben wir uns für das nächste Mal fest vorgemerkt.



Nachdem wir den Raum vorbereitet hatten, durften wir uns in der Putzkammer gegenüber verstecken, bis die Kinder alle da waren. Was die Reinigungskraft wohl heute Abend zu Hause erzählt, die nichtsahnend und voller Arbeitseifer die Türe öffnete und plötzlich vier Clowns in ihrer Kammer vorfand? Die Kinder feierten unser Auftauchen jedenfalls mit großem Applaus, viel Lachen und großer Dankbarkeit. Anfangs fühlte sich die Lehrerin noch in der Verantwortung, die Kinder zum Mitklatschen zu animieren, bemerkte aber schnell, dass das nicht nötig war und gab sich selbst dem herzhaften Lachen hin. Auch eine rote Nase und die beliebte Clownspostkarte ließ sie sich nach der Show nicht entgehen. „Eine richtig hochwertige bunte Show. Die Kinder hatten total viel Spaß.“ lies uns die Lehrerin noch über Ramona Bulzan ausrichten.


Anschließend wurden wir an unserem nächsten Auftrittsort, der Tagesbetreuung „Maria Stein Daycare“ für Kinder von 2-12 Jahren zum Mittagsessen eingeladen. Gut gestärkt bereiteten wir uns und einen (sehr) kleinen Raum für die große Show vor. Dann hieß es erst mal warten. Bis all die kleinen Zuschauer eingesammelt waren, verging etwas Zeit. Eventuell wusste auch noch keiner, dass es überhaupt losgehen kann, weil alle Angestellten noch mit den Kindern beschäftigt waren. Die kleinen Verwirrungen zu Beginn lachten die Kinder schon beim Einzug der Clowns lauthals weg. Es herrschte in dem kleinen Tagesheim eine riesen Stimmung, wie man sie sich für eine Clownsshow wünscht. Lachen, Kringeln, Wegschmeißen, Kugeln und Tränen verdrücken begleiteten Rosu, Violetta, Verde und Albastru durch eine Welt voller Veräppeln, Verzaubern und Verlieben.




Zufrieden und glücklich bezogen wir unser neues Heim für zwei Tage in einer kleinen Pension in der Nähe von Petrosani. Jetzt stehen nur noch zwei Shows auf dem mittlerweile arg zugerichteten Zettel mit dem Tourplan und die Wehmut klopft schon an die Türe. Auch unser Sprachzentrum hat mittlerweile mit dem Mischmasch aus englischer, deutscher, italienischer und rumänischer Konversation zu kämpfen. Weil’s urs-wurscht is and eh everybody  our parlare versteht. Noroc!


Ich freu mich auf den morgigen Tag und einen fulminanten Reiseabschluss in den Bergen Transsylvaniens!

Michi

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